Stressfaktor Schule

Deutschland zwischen Drill und Kuschelpädagogik

Samstag, 17.09.2011, 22:00 Uhr, Länge: 96 Min.

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Süddeutsche Zeitung TV über die große Frage: Welche Schule ist die richtige, welcher Weg im föderalistischen Bildungsdeutschland der beste fürs Kind? Prominente, Eltern und Experten wie Journalist Jan Weiler, Lehrer und Kabarettist Hans Klaffl, Bestseller-Autorin Sabine Czerny oder Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff ordnen ein, warum wir uns in der Bildungsmisere befinden - und geben Ansätze, wie wir sie überwinden können.

Deutschlands Kinder unter Stress: Büffeln für Bestnoten in der vierten Klasse für den Übertritt auf das Gymnasium.  Nachhilfe in Klasse 5, weil es ohne nicht mehr geht. Verzweifelte Eltern, die in ihrer Not selbst Lernmittel entwickeln, um den Nachwuchs durch den Schulalltag zu bringen. Und eine Nachhilfeindustrie, die sich bei geschätzten 2 Milliarden Euro Jahresumsatz die Hände reibt. 16 Bundesländer, 16 Ansätze zum Thema Schule - Bildungsdeutschland, eine Großbaustelle.

Die letzte Pisastudie mahnt 2010: Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland zwar verbessert, ist von der Spitze aber nach wie vor weit entfernt. Besorgte Eltern rüsten auf. So wie Miriam R. und Mandana M., die im Eigenverlag „Probenbücher" herausgeben. Damit soll sich der Nachwuchs zuhause gezielt auf das Gymnasium pauken.  Doch nicht jedem fällt das leicht: Die 9-jährige Carina droht unter dem Prüfungsdruck zu scheitern und schafft den Sprung aufs Lyzeum nur knapp. Sabine Czerny, Grundschullehrerin und Autorin des Bestsellers „Was wir unseren Kindern in der Schule antun... und wie wir das ändern können" sieht das Problem in der Notengebung: „Unsere Kinder stellen wir in den Wettkampf und sie haben überhaupt keine Möglichkeit, da herauszukommen."

Gymnasium um jeden Preis, ist das die Zukunft? Nicht unbedingt: Hans Klaffl, Lehrer und Kabarettist, erklärt: „Ich hab auch schon einen Personalchef erlebt, der gesagt hat: ich nehme als Banklehrling lieber einen Realschüler als einen Abiturienten, der alles Mögliche im Kopf hat, aber das worum es geht, nicht sieht." Bestsellerautor Jan Weiler sieht Regelschulen grundsätzlich kritisch: „Wir sind mit unserer Tochter bereits geflüchtet, von der Regelschule auf eine Montessori-Schule."  Wer an Regelschulen bleibt, schafft es häufig nicht ohne Zusatzförderung. So wie Charlotte: Sie besucht die 5. Klasse eines Gymnasiums und bekommt zweimal wöchentlich professionelle Nachhilfe, damit sie das Schuljahr schafft. Davon profitiert ein ganzer Wirtschaftszweig. Und es ist ein Armutszeugnis für die Schule.

Nicht alle Eltern lassen sich von der Schule verrückt machen: Familie S. aus Köln sieht das Glück ihrer Kinder nicht ans Abitur gebunden. Wenn sie es schaffen, ist es gut - wenn nicht, auch gut. Familiencoach Mathias Voelchert meint: „Wir haben noch immer die Idee, dass wir durch Druck Leistung erzielen können. Jeder ganz normale Mensch weiß, dass das nicht funktionieren kann mit dem Druck."

Dass Drill in früher Kindheit negative Folgen haben kann, weiß Jin Yun, das chinesische Au-pair-Mädchen von Familie B.: Sie wurde zum Geige spielen gedrillt, lebte ständige Disziplin wie beim Militär - heute will sie nicht mehr nach China zurück.

 

 

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