Animalische Ambulanz

Die erste Tierrettung Deutschlands

Montag, 18.04.2005, 23:00 Uhr, Länge: 36 Min.

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Wenn in der Millionenstadt München ein Kätzchen vor Schmerzen wimmert oder der treuste Freund des Menschen sich an der Pfote verletzt hat, dann sind die lokalen Tierretter gefragt: Mit dem bundesweit ersten Krankenwagen für Tiere, an dem nur Veterinäre selbst am Steuer sitzen, nimmt München eine Vorreiterrolle ein. Das Auto und die fünf Ärzte werden durch Spenden und Behandlungskosten finanziert. Die Helfer sind 24 Stunden im Einsatz, egal ob an Wochenenden oder Feiertagen.

Seit mittlerweile vier Jahren rollt das rote Ambulanzfahrzeug durch München und Umgebung, vorerst noch ohne Blaulicht - das gibt's nur bei Einsatzfahrzeugen von Polizei, Rettung und Feuerwehr. Die Tierärzte Christine G. (31) und Andreas R. (29) sind im Rettungswagen ein Team: Sie helfen nach Unfällen, Fensterstürzen, bei Schwergeburten oder sind vor Ort, wenn Hunde beim Spazieren gehen einfach zusammenbrechen und der Haustierarzt weit weg ist.

Nach der Erstversorgung bringen sie die Patienten zur Weiterbehandlung in die Tierklinik. Sie werden aber auch gerufen, um todkranke Tieren von ihrem Leiden zu erlösen. So wie bei Julchen, einer Katze mit Darmtumor im Endstadium. Die beiden Ärzte wissen, wann ein Haustier sich aus dem Leben verabschieden will: Wenn es nicht mehr frisst, sich zurück zieht und sein Wesen komplett verändert. Doch für diese Entscheidung genügt es nicht, sich mit Vierbeinern auszukennen, die Besitzer müssen in solchen Fällen oft mitbetreut werden:

„Denn teilweise sind das sehr innige Beziehungen wie eine Mutter zu ihrem Kind oder wie zu einem Lebenspartner", sagt Tierarzt Andreas R. Es kann aber auch vorkommen, dass Notfälle vorgetäuscht werden, weil so manch vermeintlicher Tierliebhaber seinen tierischen Mitbewohner auf diese Weise einfach für immer entsorgen will.

Der Kundenstamm des ambulanten Rettungsdienstes ist vielseitig: Nicht nur klassische oder exotische Haustiere gehören dazu, auch frei lebende Wildtiere, wie Füchse, Schwäne oder Tauben werden im Notfall versorgt. Im Herbst haben Stachelfelle Hochkonjunktur: Zahlreiche Igel, die kein Gramm Fett haben, von dem sie im Winterschlaf zehren könnten, irren ziellos in Wohngebieten umher. Für diese Schützlinge haben die Tierretter eine spezielle Anlaufstelle: Rentnerin Annemarie E. aus München-Germering ist die Igel-Mama Nummer 1 der Stadt: Vor dreißig Jahren begann ihre innige Beziehung zu den nachtaktiven Tieren. Mittlerweile beherbergt Frau E. 120 Igel, verteilt auf Haus, Garten und Schuppen, die sie jeweils einem Spezialprogramm unterzieht: Es wird gefüttert, auf Parasiten gecheckt, entwurmt und geimpft.

Süddeutsche TV über tierische Patienten, engagierte Ersthelfer und warum Tierliebe zu den größten Gefühlen der Menschheit gehört.

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