Das Laster mit dem Zaster

Letzter Ausweg Pfandleihe

Sonntag, 08.11.2009 23:30 Uhr

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Süddeutsche Zeitung TV über das Geschäft mit den schnellen Scheinen, das gerade in der Krise Konjunktur hat

Es gibt Orte, da geht man eher heimlich hin und möchte dort auch nicht so gern gesehen werden: Pfandleihhäuser, meist in den weniger schönen Stadtvierteln. Das zweitälteste Gewerbe der Welt nutzen all die, die keine Aussicht auf einen Kredit und gähnende Leere im Portemonnaie haben. Plötzlich wird alles, was einem lieb und teuer ist, in die Bank für das schnelle Geld geschleppt.

Christina K. stattet dem Leihhaus Banki in Nürnberg einen Besuch ab, mit einer Handvoll Schmuck im Gepäck. Sie benötigt das Geld für ihre Mutter – die konnte ein paar Rechnungen nicht bezahlen, jetzt droht eine Gefängnisstrafe. Doch Christinas Halskette hat mehr als nur den materiellen Wert: Sie ist das letzte Erinnerungsstück an den Vater ihres kleinen Sohnes: ein im Irak gefallener GI. Christina hängt an der Kette, aber jetzt braucht sie Cash. Alltag im Leihhaus und wie immer liegt es in den Händen der Pfandleiherinnen, ob die Geschichte letztlich ein Happy End haben wird oder für Christina K. im Drama endet.

Am Schalter stehen Karin P., Ingrid N. und Jeanette S., die drei Damen von der Pfandleihe. Sie begutachten, prüfen, schätzen, bewerten: Die Schicksale ihrer Kunden haben dabei keinen Platz. Nicht selten liefern sie sich Preisgefechte mit Kunden, die für ihren alten DVD-Player noch nahezu den Neupreis haben oder Modeschmuck als Edelmetall verkaufen wollen. Doch der Unterlegene ist meist der Kunde, denn niemand weiß so gut über den wahren Wert der Waren Bescheid wie der Pfandleiher.

90 Prozent aller beliehenen Güter werden wieder ausgelöst, der Rest versteigert. Deswegen weisen die Pfandleiher ihre Kunden auch immer wieder darauf hin, den Vertrag zu verlängern, irgendwie – sonst ist das Pfand irgendwann weg. Genau das passiert einem italienischen Familienvater, der ohne das Wissen seiner Frau ihren Schmuck immer wieder beliehen hat. Gerade als er nachzahlen will, erfährt der Mann, dass die Erbstücke im selben Moment nebenan versteigert werden. Jetzt kommt es auf die Kulanz des Pfandleihers an, die Ehre des geschockten Mannes zu retten.

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