Der Knast im Knast

Wie die JVA Oldenburg aus Verbrechern Nachbarn macht

Sonntag, 03.05.2009, 23:15 Uhr, Länge: 36 Min.

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Süddeutsche Zeitung TV über ein Gefängnis, das mit ganz altmodischen Mitteln sehr moderne Wege beschreitet.

Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg ist nicht nur ein Gefängnis - es sind mehrere. Von der Sicherheitsstation, auf der Schwerstverbrecher unter höchsten Standards bewacht werden - „Stammheim ist nix dagegen", sagt der Anstaltsleiter Gerd Koop - bis hin zum offenen Vollzug in kleinen Häusern in den Nachbarstädten. Im Prinzip hat jeder Strafgefangene dieselben Chancen, wenn er sich an die Grundregeln hält.

„Morgen sollen das doch wieder unsere Nachbarn sein", sagt Gerd Koop immer, wenn er auf das Thema Resozialisierung angesprochen wird. Deswegen steht die Wiedereingliederung der Insassen an erster Stelle - aber nicht ohne Voraussetzungen. Denn die JVA Oldenburg ist kein „Kuschelknast", wo laxe Regeln und pädagogische Experimente den Gefangenen Schlupflöcher bieten, mit denen sie eine wirkliche Auseinandersetzung mit Tat, Opfern und den Anforderungen des Lebens „draußen" entkommen können.

Es sind Grundregeln, die vielleicht selbstverständlich klingen, die in den Leben vieler Gefangener aber keine Rolle gespielt haben: Sauberkeit. Disziplin. Pünktlichkeit. Wer also seine Zelle nicht in Schuss hält, bekommt keine Vergünstigung. Wer zu spät kommt, auch nicht. Manche Gefangene haben das Konzept so sehr verinnerlicht, dass sogar das Aufsichtspersonal gebeten wird, die Schuhe auszuziehen, wenn es die Zelle betreten will.

Wer sich eingliedert, wer an sich arbeitet, wer nachhaltig dazu bereit ist, zu lernen, der bekommt früher als in anderen Justizvollzugsanstalten die Chance, wieder „ungefilterte" Luft atmen zu können. Wer das nicht tut, lernt die andere Seite der JVA kennen, die nicht umsonst auch das „Alcatraz des Nordens" genannt wird.

Dr. Heribert Prantl, Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, wird sich in der Reportage mit dem Vollzugskonzept der JVA kritisch auseinandersetzen und das Personal rund um die Uhr begleiten.

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