Deutschland, deine Erben.

Geschenktes Geld: Lust oder Last?

Samstag, 20.08.2011, 22:45 Uhr, Länge: 96 Min.

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Jährlich werden in Deutschland mehr als 150 Milliarden Euro vererbt. Nicht nur Barvermögen, sondern auch Immobilien, Ländereien oder gar ganze Unternehmen gehen an die nächste Generation über. Die Vererbung eines Unternehmens kann harmonisch verlaufen, wenn der Nachfolger es schafft, die oft millionenschwere Hinterlassenschaft erfolgreich und zeitgemäß weiter zu führen. Aber nicht immer tritt die alte Generation ohne Widerstand ab - oft sind Kontrollkämpfe um die Unternehmensführung vorprogrammiert. Aber auch der Wunsch von Erben, eigene Wege einzuschlagen, kann Familien entzweien.

Der ehemalige Industriefleisch-Patriarch Karl Ludwig Schweisfurth musste eine ähnliche Erfahrung machen. Mit seiner Firma Herta machte er in den sechziger und siebziger Jahren rund eine Milliarde Umsatz im Jahr. Unter seiner Führung wurde die Massentierhaltung perfektioniert. Sein Sohn kann sich mit dem Betrieb des Vaters nicht identifizieren und distanziert sich von ihm. Zehn Jahre lang haben Vater und Sohn kaum Kontakt. 1986 erfolgt der Sinneswandel. Karl Ludwig verkauft seinen Fleischkonzern und gründet im Oberbayerischen Glonn die Herrmannsdorfer Landwerkstätten, einen Handwerksbetrieb für die Herstellung ökologischer Lebensmittel. Der berufliche Wandel führt Vater und Sohn wieder zusammen. Die eleganteste und harmonischste Lösung - der Vater übergibt bereits zu Lebzeiten ein erfolgreiches Unternehmen an seinen Sohn.

Gräfin Stephanie von Pfuel erbt erst nach dem Tod Ihres Vaters. Die damals 30-jährige übernimmt ein heruntergekommenes Renaissance-Schloss, das nach der offiziellen Erbfolge eigentlich ihrem älteren Bruder zustand. Doch Vater und Sohn waren zerstritten, und der Streit in der Familie änderte die Erbfolge. Die clevere Gräfin nominierte sich kurzerhand selber als potentielle Erbin - mit Erfolg. Ab diesem Zeitpunkt richtet sie ihr gesamtes Leben danach aus. Sie entscheidet sich gegen ihr Wunschstudium Medizin und für die Forstwirtschaft, um den väterlichen Betrieb übernehmen zu können.

Wolfgang Grupp führt als strenger Patriarch bereits in der dritten Generation das Textilunternehmen Trigema im schwäbischen Burladingen. Sein 19-jähriger Sohn Wolfgang jr und seine 21-jährige Tochter Bonita studieren BWL in London und wären die vierte Generation. Allerdings gibt es noch kein klares Bekenntnis der Kinder zur Übernahme des Unternehmens. Für Wolfgang Grupp wäre es die größte Enttäuschung seines Lebens; sollten seine Kinder die Nachfolge ausschlagen. Dies wäre gleichzeitig auch das Ende für das Traditionsunternehmen. Grupp steht für klar konservative unternehmerische Werte, die er auch von seinen Kindern erwartet. Die stehen unter großem emotionalem Druck, wenn sie das Erbe ausschlagen und die Tradition nicht fortführen.

Süddeutsche Zeitung TV berichtet von Glück und Unglück der millionenschweren Hinterlassenschaften. In der Samstags-Dokumentation bei VOX kommen betroffene Familien und Experten wie Unternehmer Wolfgang Grupp, Wirtschaftsjournalist Marc Beise und Psychologin Daniela Eberhardt zu Wort. 

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