Die Ferienflotte

Seereisen zu Schnäppchen-Preisen

Sonntag, 31.01.2010 23:20 Uhr

zurück

Diesen Film käuflich erwerben

Süddeutsche Zeitung TV über den Job-Motor Kreuzfahrt und Urlauber, die lieber rum- als ankommen.

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist „in“: Das European Cruise Council erwartet für 2010 4,5 Millionen Passagiere. Die schwimmenden Hotels laufen in Serie vom Stapel, gerade erst hat die deutsche Aida-Flotte ihr siebtes Schiff ausgedockt, das achte ist schon in Auftrag gegeben. Und auch immer mehr US-Reedereien fischen in europäischen Gewässern. So wird der Traumschiff-Urlaub immer erschwinglicher – sehr zur Freude der Kreuzfahrer. Während das allgemeine Wirtschaftswachstum in Deutschland um die Ein-Prozent-Marke herum schwächelt, wächst das Kreuzfahrtsegment jährlich um zehn Prozent – kontinuierlich seit beinahe zehn Jahren. Krise? Von wegen: Cruisen lautet das Motto auf hoher See.

Am 05. Januar 2010 läuft das siebte Schiff der AIDA-Flotte vom Stapel – Nummer acht ist bereits für das Frühjahr 2011 geplant. Das Konzept des Marktführers mit dem großen roten Kussmund ist einfach: Urlaub auf See für Jedermann. Mit viel Glück und Last-Minute-Rabatt kann man auf dem Clubschiff schon mal für 850 Euro pro Nase und Woche eine Kabine ergattern. Auf der Route von Kreta über Venedig nach Athen tanzen und feiern auf der AIDAaura auch die Freundinnen Doro M. und Anna D. aus München in grellbunter Atmosphäre. Es gibt keine bordeigene Shoppingmeile, kein Kapitänsdinner, keinen Outfitzwang, keine Sitzordnung – locker statt Luxus.

Konkurrenz bekommt der Platzhirsch aus den USA: Die Flotte der Royal Carribbean drängt auf den boomenden Markt in Deutschland. Die größten Passagierschiffe der Welt locken mit ungewöhnlichen Bordaktivitäten wie Klettern oder Surfen, bieten den Luxus klassischer Kreuzfahrten genauso wie ein Unterhaltungsprogramm auf sehr amerikanische Art. Platz ist ja genug, für feierwütige Studenten wie für distinguierte Millionäre. Anja K. aus Schwerin ist Hausdame auf der „Brilliance of the Seas“. Zwischen Barcelona aud Venedig kontrolliert sie die Arbeit der Kabinen-Stewards und ist sich nicht zu schade, unters Bett zu kriechen und mit dem Finger in den entlegensten Winkeln zu stochern. Für die Crew-Mitglieder heißt das oft: Nachputzen.

Weitgehend außer Konkurrenz befährt die MS Deutschland seit zehn Jahren die Weltmeere. Auf dem traditionsreichen „Traumschiff“ feiern sich Deutscher Adel und rheinländische High Society bei Champagner und Schnittchen. Höhepunkt der Kreuzfahrt durch das Baltische Meer: eine Modenschau mit Pelzen im Wert von mehreren Millionen Euro.

Zurück