Die Könige der Roma

Macht und Mythos der Zigeuner

Sonntag, 16.01.2011, 11:10 Uhr, Länge: 96 Min.

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Süddeutsche Zeitung TV findet den Goldschatz des Zigeunerkaisers. Und andere unglaubliche Geschichten aus der mythischen Welt der osteuropäischen Roma.

 In den Medien Westeuropas tauchen sie meist nur als lästige Problemfälle und Bettler auf: Roma aus Osteuropa. Den Begriff „Zigeuner" hört  und liest man selten, weil er angeblich diskriminierend ist. Kaum jemand weiß, dass viele Zigeuner den Begriff „Roma" ebenso ungern hören, weil er so klingt wie „Rumäne" - ein Volk, das eine tiefe Abneigung gegen das mythische Volk ohne Land pflegt. Wahrscheinlich, weil in Rumänien etwa 3 Millionen Zigeuner leben, ein Großteil des auf etwa 12 Millionen geschätzten Volkes. Zigeuner sind keine einfachen Nachbarn: Chaotisch, misstrauisch, nach eigenen Regeln lebend.

Julian ist Mitte 70, sehr korpulent und nennt sich „Kaiser der Roma in Rumänien und überall". Ein selbstverliehener Titel, den man leicht als operettenhaft abtun kann, hinter dem aber eine lange, nur schwer zu durchschauende Tradition steckt. Die Zigeuner sind sehr viel strikter organisiert, als es den Anschein hat. Die kleinste Einheit ist eine „Schatra", ein Zusammenschluss mehrerer Familien. Der Anführer ist ein „Bulibasha", ein Anführer mehrerer Gemeinschaften oder Dörfer ein „Baro Bulibasha". Und ist einer dieser Männer noch reich und selbstbewusst genug, krönt er sich zum König. Allein vier leben in Rumänien, weitere zwei in Bulgarien. Einige von ihnen gewährten dem Team von Süddeutsche Zeitung TV eine Audienz - und einer zeigte sogar seinen Goldschatz.

Der größte Teil der Roma lebt in Armut und fast ohne Chancen auf Bildung und Arbeit.

 Dennoch hat sich auch in den ärmsten Dörfern eine Tradition erhalten, die immer noch große Teile des Lebens bestimmt, etwa die Regeln der Brautschau. Kinderehen sind zwar offiziell geächtet, kommen aber ebenso vor wie abgesprochene oder Zwangsehen. Das berechtigte Verbot dieser Sitten hat einen Nebeneffekt: eine fast tausendjährige Kultur ist bedroht. Denn erwiesen ist, dass ein Auseinanderreißen der Familien- und Stammesstrukturen direkt in Armut und Elend geführt hat. Süddeutsche Zeitung TV konnte junge Mädchen am Tage der Brautschau begleiten, und dokumentiert das Schicksal einer jungen Frau, die zu schön war, um einen guten Mann zu finden.

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