Die NVA-Frauen

Die Lebenswege dreier Soldatinnen der DDR

Samstag, 14.11.2009 23:00 Uhr

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Sie haben für die politische Idee der DDR gekämpft oder sich mit ihr arrangiert. Frauen, die vor und nach der Wende unterschiedliche Perspektiven hatten. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten zwei Filme Schicksale, die durch die DDR und ihr Ende geprägt wurden. Drei junge Mädchen, die ihre berufliche Zukunft in der nationalen Volksarmee NVA sahen. Im harten Kontrast dazu Frauen, die in der Unterhaltungsindustrie arbeiteten und den tristen Alltag der DDR mit leichten Liedchen verschönten.

1987. Die NVA produziert einen Propagandafilm über die ehrgeizigen Frauen der Nationalen Volksarmee; Es ist das einzige Filmdokument über die Ausbildung dieser Soldatinnen der DDR. Es sind ganz „normale“ Frauen, die im Zweifelsfall auch zur Vaterlandsverteidigung mit Waffen bereit sind. Drei Mädchen, Katrin, Elvira und Rita, zwei Schwestern, stehen im Mittelpunkt des Filmteils über die Ausbildung. Geländeübungen, Schießen, korrektes Grüßen.

1993. Für eine Reportage treffen sich die drei Frauen wieder. Sie finden den alten Lehrfilm lustig, freuen sich an Erinnerungen an damals, als die Zukunft so klar und sicher war. Sie stehen immer noch zu ihrer Entscheidung, auch politisch, und sehen die DDR nicht als Unrechtsregime.

2009. Katrin ist 40, verheiratet, 2 Kinder, lebt mit ihrer Familie in einer Mietwohnung in Thüringen. Ihr Mann Dirk ist seit der Wende immer mal wieder arbeitslos. Katrin hatte schwere Krisen zu durchstehen, bis sie vor kurzem einen Bürojob fand. Rita ist 39, verheiratet, 3 Kinder, wohnt bei Göttingen. Sie arbeitet in einem Schnellrestaurant. Ihr Mann, den sie bei der NVA kennen gelernt hat, ist umgeschulter Autoverkäufer und ohne Job. Elvira, 39, ist geschieden, keine Kinder. Sie machte nach der NVA eine Ausbildung zur Polizeivollzugsbeamtin, war nach der Wende an der deutsch-polnischen Grenze auf der Jagd nach Schmugglern und arbeitet heute im Berliner Bundeskanzleramt. An freien Tagen fährt sie zu ihrer Schwester Rita nach Thüringen.

1993 waren die Schwestern Rita und Elvira junge Frauen, die gerade ihren Job verloren hatten. 2009 sind sie erwachsene Bundesbürgerinnen. Eine hat gewonnen, eine verloren. Eine wechselte einfach nur die Uniform, die andere verbannte ihre in den Keller. Die Kinder der einen interessieren sich für die DDR, den anderen ist die Geschichte ihrer Mütter egal.

Alle drei Frauen sehen nichts Falsches in ihrer Vergangenheit– aber vieles kritisch an ihrer Gegenwart.

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