Die Spur der Schuld

Die Geschichte einer Familie und eines Verbrechens

Sonntag, 30.05.2010 23:20 Uhr, Länge: 36 Min.

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Süddeutsche Zeitung TV erzählt von Schuld und Sühne eines Mannes, der als Kind Opfer war und als Erwachsener zum Täter wurde.

Jürgen M., 45, ist Untersuchungshäftling in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg, und er hat Angst. Ihm droht Paragraph 66, die so genannte Sicherungsverwahrung. Sie kann angeordnet werden, wenn von einem Täter auch nach Beendigung seiner Strafe wieder Verbrechen zu erwarten sind. Jürgen M. ist ein solcher Täter: Mehrfach wegen Gewalttaten vorbestraft, erschlug er im Dezember 2008 den Schwager seiner Freundin. Weil der sie angegriffen und verletzt hatte. Warum Jürgen M. dann durchdrehte und den Mann tödlich verletzte, schien klar: Er ist alkoholsüchtig, hat keine Hemmung beim Zuschlagen, eine Tat aus Gewohnheit. Doch die wirkliche Ursache kennt jemand, zu dem er keinen Kontakt mehr hat: Seine Schwester.

Gabriele M. ist Hausfrau in einer süddeutschen Kleinstadt. Sie lebt in geordneten Verhältnissen in einem Mehrfamilienhaus, hatte immer viel gearbeitet. Seit ihr Rücken chronisch schmerzt, ist sie zu Hause und jobbt nur gelegentlich. Gabriele hat seit vielen Jahren keinen Kontakt zu ihrem jüngeren Bruder. Der war oft im Gefängnis, dann obdachlos, hatte keine Adresse hinterlassen und auch kein Interesse an Familienkontakten gezeigt. Gabriele M. erfuhr erst durch die Dreharbeiten, dass ihr Bruder wieder im Gefängnis ist. Und ihm, wenn er seine Therapie nicht erfolgreich abschließt, oder er wieder eine Gewalttat begeht, die Sicherungsverwahrung droht.

Gemeinsam mit Süddeutsche Zeitung TV besucht sie ihren Bruder, um von früher zu erzählen. Denn dort, in einem Alptraum aus häuslicher Gewalt, sieht sie die Wurzel seiner Taten. Sie weiß, dass ihr Bruder „niemanden in den Kopf hinein lassen“ will. Doch sie glaubt, wenn er sich nicht erinnert, wenn er nicht über die Misshandlungen aus seiner Kindheit redet, dann wird er die Therapie nicht abschließen können. Sie, als Frau, kann darüber sprechen. Er, als traumatisierter Mann, neigte zur Gewalt – ein typisches Phänomen bei Männern. Der Film begleitet den Häftling M. und seine treu zu ihm stehende Lebensgefährtin Karin H. über mehr als ein Jahr, von der JVA Oldenburg in den geschlossenen Bereich einer Fachklinik für suchtkranke Gewalttäter in Niedersachsen. Von der Untersuchungshaft bis zu dem Moment, als Jürgen M. klar wird, dass er den Schatten seiner Vergangenheit überwinden muss, um eine Zukunft zu haben.

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