Die Straße der Schickeria

Millionen-Meile Maximilianstraße

Sonntag, 04.10.2009 23:15 Uhr

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Süddeutsche Zeitung TV über Residenzen für Reiche und Boutiquen für Betuchte auf einer der berühmtesten Straßen Deutschlands.

Verehrt als Prachtboulevard, verschrien als Luxusmeile – an der Münchner Maximiliansstraße scheiden sich die Geister. Hier trifft der shoppende Scheich mit seinem Gefolge auf den traditionsbewussten Bayern in Lederhosen, das antiquierte Opernpublikum mit Anspruch auf das Fashion Victim in stylischer Mission. Die Straße zwischen Staatstheater und Landtag ist so modisch wie konventionell, vor allem aber ist sie glamourös und steinreich. Wer Geld hat, geht in den Edelboutiquen shoppen. Wer sehr viel Geld hat, mietet sich eine Luxus-Suite im 5-Sterne-Hotel. Die Maximilianstraße ist jedoch nicht nur ein Boulevard der Eitelkeiten, sondern gleichermaßen Arbeitsplatz, Heimatadresse, Sehenswürdigkeit und nicht zuletzt auch Sehnsuchtsort – geprägt von Menschen, die der Straße ihr individuelles Gesicht geben.

Stephan Kaminski ist Direktor des Hotels „Kempinski – Vier Jahreszeiten“. Das 5-Sterne-Haus thront inmitten der Maximilianstraße und bei Kaminski laufen alle Fäden zusammen. Der 51-Jährige lebt selbst mit seiner Familie im Hotel, arbeitete sich vom Pagen zum Manager hoch und ist an sich ein gelassener Typ. Doch gerade hat er ein Problem. Hoher Staatsbesuch aus Russland hat sich angekündigt – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Aber der Hoteleingang ist zurzeit eine Baustelle, und die muss bis zur Ankunft des Präsidenten unbedingt fertig werden.

Eine kurze Pause gönnt sich Kaminski nebenan beim Friseur „Schlotterbeck“. Hier bekommt er von Rosaria de B. den Kopf gewaschen. Die 21-jährige Friseurassistentin arbeitet erst seit kurzem im Nobelsalon auf der Maximilianstraße. Als gebürtige Italienerin liebt sie Mode, Schmuck und schnelle Autos. Doch noch benutzt sie die Straßenbahn, die sie jeden Morgen hineinbringt in die glamouröse Welt des Boutiquenboulevards. Und noch geht sie vorbei an den Schaufenstern der Luxuslabels, und träumt davon, selbst einmal mit prall gefüllten Taschen die Läden zu verlassen.

Ein Traum, der für Romina Sch. längst Alltag ist. Die 21-jährige Tochter aus gutem Hause ist sozusagen auf der Maximilianstraße aufgewachsen, ihre Mutter ging seit ihrem dritten Lebensjahr mit ihr hier Einkaufen. Mit ihrem Mops Charlotte und Freundin Melanie ist sie auf der Suche nach dem perfekten Kleid für die legendäre POOL Party im In-Restaurant „Brenner“. Geld spielt dabei keine große Rolle. Nur auf den ersten Blick gefallen muss ihr der Fummel – und das ist schwierig, wenn man eigentlich schon alles hat.

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