Einmal Schlager, immer Schlager

Gesangskarrieren im Osten Deutschlands

Samstag, 14.11.2009 23:00 Uhr

zurück

Diesen Film käuflich erwerben

Sie waren die seichte Untermalung des oft farblosen DDR-Alltags: Die Schlagerstars des anderen Deutschland sangen wie ihre West-Kollegen von Herz und Schmerz – nur den Kommerz gab es so nicht, bis 1989. Mit dem Fall der Mauer begann für viele Unterhal-tungskünstler zwischen Harz und Oder eine zweite Karriere – oder eben nicht. Einige ver-schwanden in der medialen Versenkung, andere hielten sich beachtlich, und nur wenige können von sich behaupten, auch heute noch erfolgreich zu sein. Regina Thoss ist es, und Dagmar Frederic auch. Beide gastieren auf Festen und Volksmusikabenden in den (nicht mehr ganz so) neuen Bundesländern. Ihr wirtschaftliches Fundament basiert darauf, dass viele Menschen die DDR-Vergangenheit verklären und mit den Stars von damals Erinne-rungen an vermeintlich bessere Zeiten verbinden. „Die Leute haben sich zu meinen Lieder geküsst damals, das war doch nicht alles schlecht“, sagt Regina Thoss heute.

Sie waren keine Wolf Biermanns, sie blieben unpolitisch und waren doch Teil eines Sys-tems. Sie haben niemandem geschadet und doch einem Unrechtsstaat genützt. Sie arbei-ten in einer der kapitalistischsten Branchen überhaupt – der Unterhaltungsindustrie – und werden doch von Menschen verehrt, von denen sich viele als Opfer eben jenes neuen Sys-tems begreifen, das seit 20 Jahren ihrer aller Leben bestimmt.
Die Sogwirkung der anhaltenden Ostalgie ist immer noch so nachhaltig, dass Nachwuchs-stars auf der Heimat-Welle reiten, die die DDR gar nicht mehr kannten. Wie die 16jährige Franziska Katzmarek aus einem kleinen Dorf bei Halle/Saale. Sie bezieht ihr DDR-Bild aus den Erzählungen des Vaters, der sie seit ihrem Durchbruch bei einem Schlagerwettbewerb in Rostock managt.

Zurück