Jugend hinter Gittern

Erwachsen werden im Strafvollzug

Montag, 01.08.2005, 23:00 Uhr, Länge: 36 Min.

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Peter hat noch klar vor Augen, wie er vor vier Jahren einen 55-jährigen Mann umgebracht hat. Damals war er 18:

„Er hat uns angemacht. Wir sind in Streit geraten, und es kam zu einem Gerangel. Da haben wir ihn dann abgestochen". Er und sein Mittäter wurden zu sieben Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags verurteilt. Seitdem sitzt Peter in der Jugendanstalt Hameln. Wenn er heute über die Tat spricht, zeigt er Reue. Aber: „Ich kann es nicht wieder gut machen. Ich könnte vielleicht sein Grab pflegen. Er hatte keine Angehörigen. Aber das würde ich nicht aushalten."

Die JA Hameln ist mit 700 Häftlingen Deutschlands größter Jugendknast. Hierher kommen nur schwere Jungs. Strafmaße: von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Haus 5 ist das so genannte Sozialtherapeutische Haus. Fast die Hälfte der Insassen sind Mörder und Totschläger. Die Häftlinge müssen sich für die Aufnahme hier erst qualifizieren - bereit sein, ihre Taten aufzuarbeiten und sich mit ihrer Schuld zu beschäftigen. Vielen aber, die selbst in einem Milieu der Gewalt aufgewachsen sind, fehlt das Unrechtsbewusstsein.

Neben Peter sitzt auch Michel im Haus 5. Er hat vor fünf Jahren mit einem Schwert einen Kumpel erschlagen, „im Vollrausch", wie er sagt. Neben  Einzeltherapie-Stunden besucht Peter zweimal wöchentlich die sogenannte „Tötungsgruppe", dort soll er sich mit seiner Tat auseinander setzen. Immer wieder bereitet Sozialpädagoge Markus Weiss mit seinen Häftlingen auch Tatortbegehungen vor. Auch Michel sucht den Ort auf, an dem er vor fünf Jahren seinen Freund erschlagen hat. Eine erschütternde Tatortbegehung - denn hinter der im Knast antrainierten Coolness verbirgt sich immer noch ein unsicherer, aus der Bahn geworfener junger Mensch.

Süddeutsche TV über den Alltag im Gefängnis von Hameln, jugendliche Täter und ihr Leben mit der Schuld.

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