Kevin macht blau

Letzte Chance für Schulschwänzer

Sonntag, 12.09.2010, 23:20 Uhr, Länge: 36 Min.

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Süddeutsche Zeitung TV über Bildungsverweigerer, Mobbingopfer und die Ohnmacht von Eltern und Behörden.

Keinen Bock auf Schule - das kommt in den besten Familien mal vor. Notorisches Blaumachen dagegen ist meist Ausdruck tiefgreifender psychischer oder familiärer Probleme. Manche Schüler bleiben monatelang dem Unterricht fern, ohne dass die Eltern etwas davon mitbekommen - zu raffiniert gehen die Schulschwänzer vor. Die Motive sind vielfältig: Mädchen werden oft gemobbt und trauen sich nicht mehr zur Schule. Jungs starten häufig eine Karriere als Schläger oder Dealer. Bis das Jugendamt eingreift vergehen Monate. Als einziges Mittel bleibt dann die Abholung der Kinder durch Polizei oder Ordnungsamt. Wer nicht rechtzeitig die Kurve kriegt, landet im Heim.

Kim M. ist 14 und geht seit vier Monaten nicht mehr zur Schule. Sobald Mutter Eva M. morgens das Haus verlässt, schleicht Kim sich wieder in die Wohnung zurück, oder sie verbringt den Tag gleich komplett im Einkaufszentrum. Als Eva das Schwänzen bemerkt und unterbinden will, kommt es zum Eklat zwischen Mutter und Tochter. Kim weigert sich vehement aus dem Haus zu gehen und verschanzt sich im Badezimmer. Gespräche mit Betreuern vom Jugendamt bleiben fruchtlos. Stattdessen wird deutlich, was hinter Kims Schulverweigerung steckt: Massive Drohungen im Internet, Mobbing auf dem Pausenhof. Nach über einem halben Jahr Fehlzeit versucht Kim jetzt einen Neustart auf einer privaten Realschule in Berlin.

Kevin K. hat bereits eine Laufbahn als notorischer Blaumacher hinter sich: Der 19-Jährige ist ein Jahr lang gar nicht zur Schule gegangen. Weder Eltern noch Lehrer erkannte er als Autoritäten an. Das hat ihn schließlich dorthin gebracht, wo er eigentlich nicht leben wollte: weg von Zuhause in einem Projekt für Schulverweigerer. Zusammen mit sieben weiteren Jugendlichen versucht er nun, seine Fehlzeiten aufzuholen und einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Nach zwei abgebrochenen Praktika ist sein dritter Job als Lackierer die letzte Chance auf ein geregeltes Leben.

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