Letztes Geleit für treue Gefährten

Tierbestattung – ein Business zwischen Gefühl und Kalkül

Sonntag, 30.08.2009 23:15 Uhr

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Süddeutsche Zeitung TV über Deutschlands ältestes Tierkrematorium, die letzte Ruhestätte für Vierbeiner und Tierliebe über den Tod hinaus.

Wenn ein Haustier stirbt, stellt sich für den trauernden Besitzer schnell die Frage: Wohin mit dem Kadaver? Wer den geliebten Vierbeiner im eigenen Garten begräbt, macht sich unter Umständen strafbar. Den Gang zur Tierkörperbeseitigungsanlage bringen viele Halter nur schwer übers Herz – doch es gibt Alternativen, Trauerbewältigung inklusive. Ob Feuerbestattung oder Erdbegräbnis, ob Urne fürs Wohnzimmer oder Grabstein aus Marmor – das Angebot professioneller Tierbestatter ist annähernd so groß wie das für menschliche Begräbnisse. Das Geschäft mit der Tierliebe kennt keine Grenzen – schon gar nicht die zwischen Leben und Tod.

16 Jahre lang war Dalmatiner-Hündin Maya ihrem Frauchen Susanna W. aus Wien eine treue Gefährtin. Jetzt ist Maya tot – gestorben an Altersschwäche. Fürs letzte Geleit macht sich Susanna auf den Weg nach München, denn dort befindet sich Deutschlands ältestes Tierkrematorium. Zwar gibt es auch in Wien ein Tierkrematorium – doch Susanna legt Wert auf die persönliche Trauerbegleitung im Angebot der Münchner. 500 Euro lässt sie sich die Einäscherung der Hündin kosten, für Transport und Kremierung, Urne im Dalmatiner-Design inklusive. Im Krematorium wird Maya im „Raum der Stille“ noch einmal aufgebahrt, damit Susanna von ihr Abschied nehmen kann. Dann verbrennt Anlagenführer Wolfgang D. den Kadaver in 50 Minuten zu Asche. Bis zu 20 Tiere äschert der technische Leiter des Krematoriums täglich ein, doch an der Trauer seiner Kundschaft kann er nur selten Anteil nehmen.

„Memento mori“ – „Bedenke, dass Du sterben musst“, so nennt sich der Tierfriedhof von Wolfgang und Ina M. bei München. Ob Hund oder Katze tatsächlich an den eigenen Tod denken, diese Frage stellen sich die Betreiber nicht. Hauptsache, Herrchen denkt daran und pachtet eine letzte Ruhestätte auf der Anlage. Ab 300,- Euro ist ein individuelles Reihengrab für einen Zeitraum von drei Jahren erhältlich, danach kann verlängert werden. Das Ehepaar hat den Friedhof vor fünf Jahren gegründet, mittlerweile ruhen hier über 200 Hunde, Katzen und Vögel, letzter Neuzugang: Dackeldame Trixie. Viele trauernde Tierbesitzer besuchen den Friedhof täglich, einige der Gräber sind reicher geschmückt und besser gepflegt als die so mancher Menschen. Und selbst ein überfahrener Wildhase vom Straßenrand wird noch im nahe gelegenen Wald bestattet – denn Familie M. lässt kein Tier einfach so liegen.

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