Nachtmenschen

Leben zwischen Mitternacht und Morgengrauen

Samstag, 18.06.2011, 23:00 Uhr, Länge: 96 Min.

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Wenn die Sonne untergeht und die Lichter auf den Straßen erleuchten, zeigt sich Berlin von seiner schrägen, schillernden und geheimnisvollen Seite. Die Hauptstadt schläft nie. Während die einen feiern und die Nacht zum Tag machen, verdienen andere jetzt ihren Lebensunterhalt. Süddeutsche Zeitung TV führt durch eine Nacht - von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Zweidrittel der deutschen Bevölkerung geht gegen 22:30 Uhr ins Bett. Für die anderen beginnt jetzt das Leben, die Arbeit, das Lieben. Bei Würstchenverkäufer Denny klingelt um 21 Uhr der Wecker. Frühstück - während seine Freundin zu Abend isst. Dann muss Denny los ins "Curry 36". Sein Dienst geht bis 7 Uhr in der Früh - nicht leicht für die Beziehung. "Das soziale Leben leidet sehr darunter. Menschen, die nachts arbeiten, kennen sich oft untereinander. Das ist wie eine große Familie. Aber morgens, wenn die Sonne aufgeht, ist die Familie wieder weg und dann kommt die Einsamkeit", kommentiert Taxifahrer Tom, der seit 20 Jahren ausschließlich nachts unterwegs ist.

"Wenn es dunkel wird, werde ich erst richtig wach", sagt Sänger und Moderator Ben. Auch für die Showtänzerinnen Nina und Katharina gehen die Lichter im Friedrichstadtpalast erst bei Einbruch der Dunkelheit an. Was fasziniert, erregt und verbindet die Menschen in der Nacht? Sehnen wir uns gerade in diesen Stunden nach Zweisamkeit? Wollen wir jetzt intensiver leben? Den Alltag abschütteln? Sind wir ein anderer Mensch als am Tag?

Die Prostituierten der "Bar Rouge" leben fast ausschließlich von den Geschäften der Nacht. Felicitas arbeitete selbst lange als Prostituierte und ist seit 14 Jahren Bordell-Chefin: "Männer holen sich abends auch Geborgenheit, weil sie sich zu Hause einsam fühlen."

Im Nobelhotel Adlon tritt Nightmanager Tom um 23 Uhr seinen Dienst an. Er erinnert sich kaum daran, wie das Luxushaus bei Tageslicht aussieht. Was es für unseren Organismus bedeutet, wenn wir nachts nicht schlafen, weiß Schlafforscher Dr. Dieter Kunz: "Wenn wir nicht genügend Rhythmus in Bezug auf hell und dunkel haben, dann kann sich ein Schichtarbeiter-Syndrom entwickeln mit Erkrankungen aus jedem Bereich." Im Schlaflabor des Berliner St. Hedwig Krankenhauses betreut er einen Patienten, der seit über 20 Jahren keine Nacht mehr gut geschlafen hat.

An der Clubtür hat Türsteherin Hanna bis in die frühen Morgenstunden jede Menge zu tun. "Die Leute begeben sich auf die Suche, nach Vergnügen, nach Sex, nach der Liebe des Lebens oder nach einem flüchtigen Moment von Begierde", kommentiert Berghain-Türsteher Sven das Schaulaufen der Eitelkeiten, das er seit Jahrzehnten im Nachtleben beobachtet.

Prominente, Experten und Nachtschwärmer wie Nachtjournal-Moderatorin Ilka Eßmüller, Sänger Ben, Bordell-Chefin Felicitas Schirow und Schlafforscher Dr. Dieter Kunz kommentieren die Nachtgestalten und ihre Geschichten und berichten von ihren persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. 

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