Reklame fürs Rotlicht

Vertreter im horizontalen Gewerbegebiet

Sonntag, 11.01.2009 23:15 Uhr

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Süddeutsche Zeitung TV über Karrieren, Kunden und Konkurrenz im Rotlichtmilieu.

Wer nicht wirbt, stirbt: Das gilt auch für das älteste Gewerbe der Welt. Anfang des neuen Jahrtausends ist die einst verruchte Branche ziemlich bürgerlich geworden. Prostitution ist ein nicht besonders seltener Nebenerwerb, Bordelle werden von Frauen geführt, sogar SM-Clubs sind heutzutage eher schick als schrecklich. Rund um das Rotlicht haben sich einige Jobs etabliert, die vor kurzem noch gar nicht existierten: Vertreter für Internet-Werbeportale zum Beispiel.

Stephan K. hat in seinem ersten Berufsleben Häuser verkauft. Fertighäuser, in klassischer „kalter“ Akquise, das heißt von Tür zu Tür. Als die Firma Pleite machte, fand er einen neuen Job, ebenfalls als Vertreter, bei einer in Berlin ansässigen AG, ein mit Risikokapital gegründetes Unternehmen, das Werbung für das Rotlichtmilieu anbietet.

Stephan K.´s Gebiet ist Berlin, die fünf neuen Bundesländer und Niedersachsen. Regelmäßig klappert er Bordelle und FKK-Clubs auf der Suche nach neuen Kunden ab, denen er Webauftritte verkauft. Inklusive Beratung, Design, Fotos. Seine Kunden sind so unterschiedlich wie die Branche selbst.

Da ist die Hausfrau, die sich nebenher etwas dazuverdient. Die ehemalige Prostituierte, die heute einen kleinen, gemütlichen Club im Norden Berlins führt. Die taffe Geschäftsfrau, die drei Mal die Woche ihre Angestellten zum Stangentanz-Training bittet. Und die zweifache Mutter, die zwischen Kartoffelpuffer und Kindergarten die Geschäftsbedingungen für Hausbesuche durchspricht.

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