Vermisst, verschwunden, verschollen.

Wenn Menschen gehen und nicht mehr zurückkommen

Samstag, 08.08.2009 22:00 Uhr

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Süddeutsche Zeitung TV über die Arbeit der Vermissten-Dezernate der Kriminalpolizei

Jeden Tag verschwinden in Deutschland rund 75 Menschen aus ihrem Lebensumfeld. Erst hoffen die Angehörigen auf einen dummen Zufall, dann befürchten sie einen Unfall, schließlich erstatten sie Anzeige bei der Polizei. Die meisten Fälle klären sich innerhalb der ersten Stunden, viele davon positiv – doch nicht alle. Und manchmal beginnt eine lange Zeit der Unsicherheit, Monate, Jahre. Vermisst werden: die Tochter, der Ehemann, die Freundin.

Vor Kriminalhauptkommissar Burkhard L. sitzt Petra B., weinend. Sie vermisst ihren Verlobten Willi, einen 41 jährigen Koch. Er ist nicht zur Arbeit erschienen: „Es ist wie Film. Als wäre Willi zum Zigarettenholen weggegangen. Ich dachte, das passiert immer nur anderen“. Für die Kripo bedeutet das: Anzeige aufnehmen, Fahndung herausgeben, Spuren sichern. DNA-Suche in der Zahnbürste und im Kamm in der Wohnung des Vermissten: Für den Fall, dass der Mann als unbekannter Toter irgendwann wieder auftaucht.

Vermisst wird seit Januar 2009 auch Lidia H.: Um 5.45 Uhr verliert sich die Spur der 48-Jährigen. Wie immer trug sie die an jenem Freitagmorgen in Rheinfelden die Zeitung aus. „Lidia sagte noch: Tschüss, bis später“, erinnert sich ihr Ehemann Peter. Danach hat er sie weder gesehen noch mit ihr telefoniert. Die zweifache Mutter war an jenem Tag mit ihrem blauen Kleinwagen unterwegs. Seitdem sucht ihre Familie verzweifelt: die Söhne kleben Plakate, verteilen Zettel. Ihr Ehemann verlässt das Haus nicht mehr, er will nicht verpassen, wenn sie wiederkommt.

In Trier fahndet die Kripo nach Tanja G.: „Die 21-jährige Studentin besuchte am Mittwoch, den 6. Juni 2007, ab 23.30 Uhr gemeinsam mit Freunden das große Sommerfest der Fachhochschule. Gegen 4 Uhr am Donnerstagmorgen wurde sie zuletzt mit einem noch unbekannten jungen Mann auf dem FH-Gelände gesehen. Tanja ist 21 Jahre alt, 173 cm groß und sehr schlank.“ So steht es sachlich-nüchtern in der Fahndung. Doch für die Eltern steht fest: Ihrer einzigen Tochter muss etwas Fürchterliches passiert sein.
Tanja G. und Lidia H. gehören aktuell zu den über 5000 Deutschen, die zurzeit vermisst gemeldet sind. Kripobeamter Burkhard L. findet nicht alle, aber manche doch: tot als Wasserleiche; und lebendig: am Flughafenschalter.

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