n-tv – die Reportage

Hinter Gittern - Knastschicksale im geschlossenen Vollzug

Montag, 03.01.2011, 20:05 Uhr

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Süddeutsche TV über verurteilte Mörder, Totschläger und Betrüger und ihre Resozialisierung im modernen Strafvollzug.

Rund 70.000 Gefangene sitzen derzeit in Deutschlands Haftanstalten ein - die meisten davon kommen irgendwann wieder heraus. Moderne Gefängnisse haben die Aufgabe, aus verurteilten Verbrechern wieder zukünftige Nachbarn zu machen, Arbeitskollegen, funktionierende Mitglieder der Gesellschaft. Die Resozialisierung der Insassen steht in der JVA Oldenburg an erster Stelle - aber nicht ohne Voraussetzungen. Wer sich nicht an die Regeln hält, lernt „das Alcatraz des Nordens" von einer ganz anderen Seite kennen.

Fünf Prozent aller Inhaftierten in Deutschland sind Frauen, sie sitzen in gesonderten Haftanstalten wie der JVA Chemnitz ein. Ihre Delikte: Mord, Todschlag, Drogen. Gewaltverbrechen sind nicht mehr reine Männersache, im Gegenteil: Gerade in jüngerer Zeit nimmt die Anzahl weiblicher Straftäter zu.

Die Justizvollzugsanstalt Oldenburg ist nicht nur ein Gefängnis - es sind mehrere. Von der Sicherheitsstation, auf der Schwerstverbrecher unter höchsten Standards bewacht werden - „Stammheim ist nix dagegen", sagt der Anstaltsleiter Gerd K. - bis hin zum offenen Vollzug in kleinen Häusern in den Nachbarstädten. Im Prinzip hat jeder Inhaftierte dieselben Chancen auf Privilegien, vielleicht sogar Haftzeitverkürzung, wenn er sich an die Grundregeln hält. Es sind Grundregeln, die in den Leben vieler Gefangener keine Rolle gespielt haben: Sauberkeit. Disziplin. Pünktlichkeit. Jürgen M. sitzt wegen Totschlags in U-Haft, ist Hausarbeiter seiner Station. Mit Putzen und Kochen hat er sich schon ein begehrtes Privileg erarbeitet: offene Zellentür bis 20:00 Uhr.

In der JVA Chemnitz herrscht der Ausnahmezustand: 120 weibliche Gefangene ziehen vom alten Hafthaus in ein frisch renoviertes auf demselben Gelände um. Bei dieser logistischen Herausforderung herrschen höchste Sicherheitsvorkehrungen: Damit nichts Verbotenes in den neuen Trakt gelangt oder gar ein Ausbruchsversuch unternommen wird, darf kein externes Umzugsunternehmen in die Anstalt. Beamte und weibliche Gefangene müssen den Umzug gemeinsam meistern. Die 21-jährige Anne, wegen Kreditkartenbetrugs und Gewalttaten verurteilt, ist über die Veränderung gar nicht erfreut. Sie hatte auf eine Einzelzelle gehofft, muss sich aber nun den neuen Haftraum teilen - ausgerechnet mit ihrer Erzrivalin Marlene, von der sie im Knast schon mehrfach beklaut wurde.

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