Die Geschäfte der Gutachter

Donnerstag 09.10.2014 bei Servus TV

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Sie sind überall. Sie urteilen darüber, wie schwer ein Unfallschaden die Halswirbelsäule geschädigt hat und ob der Wasserschaden in der Mauer ein Fall für die Versicherung ist. Sie geben Empfehlungen ab, ob bei der Ehescheidung Mama oder Papa das alleinige Sorgerecht zugesprochen wird. Warum sie das alles besser wissen? Sie sind Gutachter! Und damit per Definition: sachkundig, unabhängig, neutral. Richter schließen sich in bis zu 90 Prozent aller Streitfälle ihrem Urteil an. Gutachter sind längst zu „Schattenrichtern" geworden, ohne die kaum ein Verfahren mehr auskommt.
Doch Gutachten ist nicht gleich Gutachten. Wenn ein Richter von einem Sachverständigen ein Gutachten anfordert, so wird dessen Empfehlung den gesamten Verfahrensverlauf prägen. Wehren können sich Prozessbeteiligte zwar mit privat beauftragten Gutachten, doch die sind teuer: in der Medizin oder in der Psychiatrie stellen Gutachter schnell Rechnungen im oberen vierstelligen Bereich. Überhaupt sind Gutachten für viele Experten zu einer stetig sprudelnden Einkommens-quelle geworden.
Da stellt sich doch die Frage: wie unabhängig können die „neutralen" Sachverständigen sein, wenn ihre Hauptauftraggeber die Gerichte oder Vertreter aus der Versicherungswirtschaft sind? Die anerkannte österreichische Psychiaterin und unabhängige Gutachtern Dr. Gabriele Wörgötter warnt davor und ist überzeugt „Dass es ganz wichtig wäre, dass ein Sachverständiger oder Gutachter nicht ausschließlich von den Gutachten lebt, sondern zusätzlich eine Ordination oder ein sonstiges Standbein hat, das ihn auch unabhängig macht!"      
Die Reportage dokumentiert wie Menschen mit allen Mitteln und zum Teil schon seit Jahren gegen Urteile kämpfen, die auf Fehlgutachten basieren: Zum Beispiel wurde eine Mutter aus Niederösterreich per Gutachten zur Geisteskranken abgestempelt mit der Folge, dass ihr das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wurde. Oder zwei Männer aus Oberösterreich, die feststellen mussten, dass in ihren Gutachten mit standardisierten Textbausteinen gearbeitet worden war. Attestiert werden unter anderem: „Begrenzte Empathie, narzisstische Persönlichkeitsstörung, eingeschränkte Erziehungsfähigkeit."
Die Protagonisten warten seit Jahren auf einen Gerichtstermin und sind verbittert: "Der Gutachter hat gelogen, betrogen, verfälscht. Und er hat sich große Mühe gegeben, mein Leben zu ruinieren!", erklärt einer der Betroffenen.
Die Sendung stellt auch einen deutschen Kriminaldirektor a.D. vor, der für eine Gesetzesänderung kämpft - damit anderen Betroffenen in Zukunft nicht dasselbe widerfährt wie seiner Frau, die aufgrund eines umstrittenen Gutachtens seit 17 Jahren vor Gericht gegen eine Versicherung vorgeht. Ihr Mann gibt nach all den Jahren nicht auf: „Man kämpft für etwas, aber nicht nur, weil es einem selbst gut tut, sondern weil man möglicherweise in der Zukunft eine Änderung für andere herbeiführt."
Beatrix Hüller ist Fachanwältin für Versicherungsrecht und Expertin für Gutachterfragen. Sie ist eine Insiderin, die früher für Versicherungen gearbeitet und dann die Seiten gewechselt hat: „Ich hab es dann einfach irgendwann nicht mehr ertragen, dass ich ständig die Ansprüche ablehnen musste oder die Fällen hinauszögern musste, bei denen ich mir sicher war: die sind jetzt auszahlungsreif! Da habe ich dann irgendwann gesagt: das mag ich einfach nicht mehr länger machen! Ich ertrage es nicht mehr!"
Mehr dazu erfahren Sie in der Reportage und in der ergänzenden Webdocumentary unter: www.servustv.com/gutachter

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