Revolutionen am Herd. Die Geschichte der Deutschen Küche.

Sonntag, 28.06.2015 05:30 Uhr bei ZDF INFO

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Revolutionen am Herd. Die Geschichte der Deutschen Küche

Bewusste Ernährung ist das neue Statussymbol. Noch nie gab es so viel Auswahl wie heute, das belegt der Foodethnologe Prof. Marin Trenk mit seiner Suche nach den kulinarischen Wurzeln der Deutschen und nach unserem Umgang mit der globalisierten Küche. Die individuellen, historischen und nostalgischen Momente sind die delikaten Zutaten unserer persönlichen Geschmacksbiographie. Essen ist Emotion und diesem guten Gefühl ist Marin Trenk auf der Spur, er will herausfinden, wie und unter welchen Einflüssen sich unsere kulinarischen Vorlieben entwickelt haben.

Sein Beruf erfordert eine Menge Neugier und einen robusten Magen - und führt ihn rund um die Welt. Marin Trenk ist Deutschlands einziger Professor für Food-Ethnologie. Seit seiner Jugend reist der 61-Jährige aus Frankfurt in alle exotischen Länder der Erde, macht Feldstudien in Afrika, lebt monatelang in Asien. Dort erlebt Trenk die unterschiedlichen Küchen innerhalb eines Landes und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Er sucht Antworten auf die Frage, woher wir Deutschen unsere Nahrungsmittel im Laufe der Jahrhunderte bekommen haben.

Waren wir Deutschen im Mittelalter noch ziemlich eingeschränkt in der durch die Jahreszeiten bestimmten Speisetafel, änderte sich das im 15. Jahrhundert. Kolumbus entdeckte nicht nur Amerika, sondern vor allem auch Lebensmittel, die aus unserer heutigen Küche nicht mehr wegzudenken sind: Mais, Bohnen, Chili, Paprika, vor allem aber Tomaten und Kartoffeln. Doch ein Food-Ethnologe spürt auch den verschlungenen Wegen nach, die die Lebensmittel nach ihrer Entdeckung nahmen. So wurde die Kartoffel wegen ihrer Blüten erst einmal als Zierpflanze angebaut. Die Knollen galten danach als Arme-Leute-Essen. Und wurden bei uns erst durch einen Kunstgriff Friedrichs II. anerkannt, der seine Kartoffelfelder vermeintlich hart bewachen ließ - wohl wissend, dass seine neugierigen Untertanen dann die Knollen stehlen und selber anbauen würden.

Food-Ethnologe Marin Trenk kennt mehrere solcher Globalisierungswellen, die uns Obst, Gemüse und ganze Küchen aus aller Welt brachten. Besonders das 20. Jahrhundert mit den Gastarbeiter-küchen aus Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei ist spannend für den Essens-Forscher: Wieso trat der Döner seinen Siegeszug als mittlerweile beliebtestes Fastfood an, während die türkische Küche in Deutschland immer noch ein Nischendasein führt? Warum hatte es die italienische Küche zu Beginn so schwer, den Deutschen Olivenöl, Knoblauch und Meeresfrüchte nahe zu bringen? Besonders spannend: Das „Eindeutschen" exotischer Gerichte. Hähnchen süß-sauer, Gyros-Pfanne oder Paella aus dem Tiefkühlregal sind meistens angepasst an den deutschen Geschmack und deutlich milder gewürzt als im Herkunftsland.

Marin Trenk nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise quer durch Deutschland, immer auf der Suche nach „der" deutschen Küche. Sind wir auf dem Weg zu einem nivellierten Weltgeschmack? Zu überall gleichen Gerichten? Einer McDonaldisierung der Landesküchen? Oder kann die authentische Küche der Länder, Regionen und Kontinente trotz kulinarischer Globalisierung und der damit immer verbundenen Adaptionen und Anpassungen erhalten werden? „Ja, ein kulinarisches Zusammenspiel ist möglich", sagt der Professor und plädiert leidenschaftlich für kulinarische Entdeckerlust und Experimentierbereitschaft. Auch mal zuhause, wenn wir im Familienkreis nach den alten Rezepten unserer Kindheit fragen...

 

 

 

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