Seppl & Saupreiß. Eine bayerisch-preußische Annhäherung.

Dienstag 18.11.2014 bei RBB

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Der im Auftrag von BR und RBB produzierte Zweiteiler (2x45 Minuten) ist Roadmovie und Begegnungs-Doku und beschäftigt sich mit den historisch gewachsenen und durchaus auch heute noch präsenten Animositäten zwischen „den Bayern" und „den Preißn". Klischees und Vorurteile werden von zwei Protagonisten - einer „Berliner Perle" und einem „bayerischen Mannsbild" - auf einer Reise in die Fremde überprüft. Wie sind die denn nun wirklich, die anderen?

Berliner sehen sich selbst als Weltbürger und die Bayern als Dorfdeppen und Hinterwäldler. Den Bayern hingegen sind „die Preißn" eigentlich komplett „wurscht", was in Bayern fast als schwerste aller Beleidigungen gilt. Berlin? Sündenpfuhl und Schuldenmoloch! Grund genug die Wurzeln der uralten bayerisch-preußischen Klischees und Vorurteile zu erforschen. BR und RBB schicken jeweils einen der ihren in das Stammesgebiet des anderen. Eine Berlinerin und ein Bayer wechseln die Seiten und begeben sich auf eine abenteuerliche Reise in einen zuweilen schmerzhaften, aber immer unterhaltsamen Selbstversuch.

Für die RBB-Moderatorin Caroline Korneli aus Berlin-Mitte ist klar, dass sie eigentlich nur auf erzkonservative Katholiken mit rückwärtsgewandtem Weltbild treffen wird. Für die moderne Frau Korneli besteht Bayern aus einem neureichen Fußballverein, einer selbstgefälligen Regierungspartei und verbohrten Sepplhut-Trägern mit einer Tendenz zur Fremdenfeindlichkeit. Und München ist für sie schlicht „ein reiches Dorf am Alpenrand". Von Franken im Norden Bayerns reist Caroline Korneli über München und Niederbayern immer weiter in den bayerischen Süden, dorthin, wo die meisten Klischees von „Sepplhüten, Lederhosen und Alpenkitsch" eigentlich her kommen. Auf ihrer Reise spricht sie in München mit Querdenkern wie dem Autoren Michael Sailer oder dem aus Schwarzafrika stammenden Busfahrer Lassina N'Diaye, in Niederbayern mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Hermann Scheuringer und in Oberbayern mit einem Brauchtumsschützer und einer Trachtenschneidermeisterin. Aber Frau Korneli, die per Autostopp reist, macht auch die Bekanntschaft von schönen jungen Damen, die sie mitnehmen und freiherzig von den bayerischen Männern und ihren „Qualitäten" erzählen. Dabei geht für die skeptische Berlinerin so manches lieb gewonnene Klischee unwiederbringlich verloren. Zuletzt ist sie so weit im Bajuwarenland eingetaucht, dass sie sich im Chiemgau an einen ausschließlich von Männern besetzten Stammtisch wagt, einem Stammtisch, zu dem normalerweise kein „Preiß" Zugang hätte - und ein „Saupreiß" schon gleich dreimal nicht.

Der charmante BR-Moderator Florian Wagner wohnt am idyllischen Tegernsee und fand die Berliner Hektik, den rüden Umgangston und die Arroganz der Ur-Berliner eigentlich immer schon unheimlich. Er meint, dass von den einst klassischen preußischen Tugenden Fleiß, Disziplin und Sauberkeit im heutigen Berlin-Brandenburg nur noch herzlich wenig zu sehen sei - diese Tugenden seien zusammen mit der Toleranz irgendwann nach Süden abgewandert...

Dennoch reist der Bayer Florian Wagner in die Hauptstadt. Übernachtet in Berlin auf einem Hotelboot, trifft in Sanssouci Jürgen Luh, einen Historiker, der ihm erklärt, dass die Liebe zwischen Bayern und Preußen immer größer war, als die Abneigung. Er singt vor hunderten von Zuschauern beim Karaoke auf dem ehemaligen Grenzstreifen in Berlin, betet mit einer türkischen Familie beim Abendbrot und wird beinahe von einer nächtlichen Begegnung vermöbelt. In Brandenburg trifft er einen Trachtensammler - der die Tracht der DDR-Bürger sammelt: Die Kittelschürze. Und nicht nur das: er trägt sie auch am eigenen Leib.

Im Verlauf ihrer Reisen stellen Caro Korneli und Florian Wagner bei ihren Begegnungen mit Einheimischen ihre Vorurteile und Ressentiments nach und nach in Frage. Ist eine Verständigung möglich? Gibt es nicht doch verbindende Gemeinsamkeiten zwischen „den Bayern" und „den Preißn"? In Berlin sagt man ja: Ick pöbel dich erstmal an, aber eigentlich mag ich dich. Gilt das am Ende auch für Bayern und Preußen?

 

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